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Jobsuche ab 50 - eine Mission impossible?

Laura Angeli, Fachkraft Bewerbung (Kursleiterin) und stellvertretende Fachverantwortliche Kurse bei Mensch und Arbeit*, weiss, wie sich ältere Arbeitnehmende auf dem Arbeitsmarkt behaupten können.

 beratung

Frau Angeli, Sie beraten Stellensuchende jeden Alters. Wie erleben Sie die Situation für die Generation 50plus?

Unsere Programmteilnehmenden sind zum Teil schon länger auf Arbeitssuche. Gerade bei älteren Personen macht sich ab und zu die Angst bemerkbar, keinen Job mehr zu finden.

Ist diese Angst berechtigt?

Ob jung oder alt: Wer einen fitten und leistungsfähigen Eindruck macht, hat tendenziell höhere Chancen auf eine Anstellung.

Trotzdem: Für ältere Bewerbende ist es nicht einfach. Was raten Sie ihnen?

Jünger machen können wir uns alle nicht. Aber über die Ausstrahlung lässt sich viel erreichen. Ich rate meinen Kursteilnehmenden, Frische ins Bewerbungsfoto zu bringen – zum Beispiel über die Farbe der Kleidung und den wachen Blick. Kommt das Dossier frisch und farblich abgestimmt daher, punktet man auch als ältere Person. Aber aufgepasst: Wer mit schrillen Farben, Photoshop-Korrekturen oder Selfie-Aufnahmen jünger daherkommen will, erreicht eher das Gegenteil: Ein authentischer, gepflegter Eindruck bleibt wichtig.

Und wenn die Zweifel bleiben?

Das Alter ist nur ein Faktor unter vielen. Eine andere Person ist vielleicht jünger, spricht dafür die vom Arbeitgeber gewünschte Sprache schlecht oder kann die nötigen Ausbildungen nicht vorweisen. Vor- und Nachteile gleichen sich oft aus. Auch das aufkommende «Diversity Management» weckt Hoffnungen: Ziel dabei ist eine bunt gemischte Belegschaft hinsichtlich Geschlecht, Religion, Nationalität und eben auch Alter.

Steht älteres Personal also bald auf der Firmen-Wunschliste?

Die gezielte Suche nach älterem Personal lässt wohl bei den meisten Firmen noch auf sich warten. Doch die positiven Effekte einer guten Durchmischung rücken langsam ins Bewusstsein, gerade bei grösseren Schweizer Firmen wie der Post, SBB oder Swisscom. Wer einer Firma aufzeigt, dass er oder sie als ältere Person wertvolle Eigenschaften mitbringt, hat gute Chancen, eine Stelle zu finden.

Warum soll ein Unternehmen ältere Mitarbeitende einstellen?

Weil erfahrene Fachkräfte eine persönliche Festigkeit und einen Wissensschatz vorweisen, die Arbeitgeber sonst vergeblich suchen. Auch die langjährige Erfahrung der Generation 50plus im Umgang mit Krisen, Erfolgsphasen oder Veränderungen kann sehr wertvoll sein für ein Unternehmen – zusammen mit der Dynamik junger Kollegen die optimale Kombination.

Dazu bringt jeder Mensch persönliche Stärken mit, die für Unternehmen attraktiv sind. Ältere Menschen konzentrieren sich oft zu sehr auf ihre Schwächen. Sie merken, dass andere schneller oder stärker sind. Dabei vergessen sie, dass ihre ausgezeichnete Menschenkenntnis, ihre Gelassenheit oder ein besonders vernetztes Denken einem Unternehmen genauso dienen können. Unsere Aufgabe ist es, auf Schatzsuche zu gehen, die individuellen Schätze zu finden und in den Fokus zu rücken: Weg von den Schwächen hin zu den eigenen Stärken. Anschliessend loten wir die passende Tätigkeit dafür aus. Manchmal ist die bisherige Arbeit nicht mehr geeignet. Wir denken quer und schlagen auch völlig neue Wege vor.

Neuorientierung als Lösung im Alter?

Heute wählt man den Beruf, den Arbeitsort und die Anstellungsform nicht mehr für ein ganzes Leben. Die Personal-Fluktuation ist höher als noch vor zehn Jahren, Stellenwechsel sind normal. Jüngere Arbeitnehmer lernen schon früh, sich konstant weiterzubilden, flexibel zu sein und sich neu zu orientieren. Eine gewisse Bereitschaft diesbezüglich ist auch bei Älteren gefragt. Wir wollen zeigen, dass Neues nicht nur Verlust bedeutet, sondern auch Spass machen kann.

Fällt diese Offenheit allen leicht?

Manche Kursteilnehmer zeigen sich sehr offen. Andere sind aus Unsicherheit skeptisch: Ist die letzte Bewerbung 30 Jahre her, haben sie oft Angst vor einem Neuanfang. Natürlich gibt es auch Personen, die keinen Änderungsbedarf sehen und am liebsten alles beim Alten lassen möchten. Hier helfen gute Beispiele und aktuelles Know-how. Sehe ich Bewerbungsdossiers im 80er-Jahre-Stil, suche ich mit der Person zusammen nach zeitgemässen Dossiers im Internet. Ich möchte zeigen, wie sich die Zeit verändert hat, was heute erfolgsversprechend ist. Nicht alle sehen dies sofort ein, das ist immer auch ein Prozess.

Spannend ist die Gruppendynamik in den Kursen. Die Teilnehmer sind neugierig, was andere im Kurs machen, wie ihre CVs aussehen oder wie sie sich auf Social Media präsentieren. Diesen Austausch lasse ich bewusst zu. Er sorgt auf lockerer Ebene für Ideen und Sicherheit.

Sie sprechen Social Media an. Wie wichtig ist es, dabei zu sein?

Ein gutes Netzwerk schadet nie bei der Stellensuche – ob off- oder online. Personalverantwortliche suchen inzwischen auf Portalen wie Xing und LinkedIn nach passenden Mitarbeitenden. Darauf machen wir unsere Kursteilnehmenden aufmerksam. Mir ist es aber ein Anliegen, niemanden unter Druck zu setzen. Ziel ist, das nötige Wissen mitzugeben: Wie erstelle ich einen Account? Wie nutze ich Social Media? Was sind die Vor- und Nachteile? Wichtig ist, dass die Teilnehmenden up to date sind.

Zum Schluss: Begleiten Sie Ihre Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer mit Zuversicht?

Ja, auf jeden Fall. Einige finden bereits in der Vorlaufphase vor dem geplanten Einsatz eine Stelle. Viele können später an ihrem Einsatzplatz bleiben oder finden im Anschluss an das Programm eine Stelle. Das zeigt mir immer wieder, dass neue Impulse Türen öffnen.


*Laura Angeli kümmert sich im Geschäftsbereich Mensch und Arbeit (MAR) der Stiftung Diaconis als Fachkraft Bewerbung (Kursleiterin) um die Integration von Stellensuchenden in den Arbeitsmarkt. Zum Programm gehört die Suche nach einem Einsatzplatz mit Arbeitsmöglichkeit von drei bis sechs Monaten. Enge Begleitung und konkrete Unterstützung bei der Stellensuche erhalten die Teilnehmenden über Kurse und Einzelgespräche. Laura Angeli nimmt dafür den Arbeitsmarkt unter die Lupe und führt persönliche Standortbestimmungen durch. Sie entwickelt mit den Bewerbenden einen Aktionsplan, fördert die fachlichen und persönlichen Kompetenzen der jeweiligen Person, hilft beim Bewerbungsdossier und übt für Vorstellungsgespräche

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